Hufrehe



Ein paar Gedanken zum Thema Hufrehe.

Als Hufschmied hat man es leider immer wieder mit Problemen zu tun. Manche Krankheiten sind recht komplex, und es bedarf einiger Zeit, diese wirklich zu verstehen. Es bleiben aber trotzdem viele Fragen offen, die auch der schlauste Kopf bis jetzt nicht wirklich erklären kann.
Was hier so steht, zieh ich mir nicht aus der Nase! Berhut auf eigener Erfahrung, Weiterbildungen, Recherche, Gespräche mit Kollegen, Internet, Fachbücher, Fachzeitschriften...

Die Hufrehe ist eine der gefürchtesten Krankheiten die bei Pferden auftreten kann, und geht in extremen Fällen mit der Euthanisierung des Patienten aus.
Beschrieben wird die Hufrehe schon seit tausenden Jahren. Die ersten Aufzeichnungen sind wohl auf 700-400 v. Chr. zu datieren. Homer, Xenophon und Aristoteles die grossen griechischen Schriftsteller damaliger Zeiten, haben die Rehe als „crithiasis oder podegra“ bezeichnet.

Apsyrtos 300-350 n. Chr. beschreibt die Krankheit folgendermassen:

cum podegra equum male habet, nec pedibus insistere nec inambulare potest, sed humi procumbit ut qui hordeatione laborat. Was so viel bedeutet, wenn ein Pferd an Podegra leidet, kann es weder stehen bleiben oder gehen, sondern wirft sich zu Boden, als ob es an der Gerstenkrankheit (hordeatione) leide.

Die Hufrehe ist also ein Problem, das uns schon lange beschäftigt.

In der Neuzeit wird weiter nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten geforscht.

Der Name Hufrehe stammt aus dem alt Deutschen und bedeutet so viel wie steif (Räh), wer schon mal einen akuten Fall gesehen hat, kann dies bestätigen. Die Tiere wollen sich in dem Fall so wenig wie möglich bewegen, stehen fast wie angewurzelt da, oder liegen.

Auslöser für die Rehe gibt es zig verschiedene, und es kommen immer wieder neue dazu, um das Ganze aber ein bisschen zu vereinfachen, unterscheiden wir die:

-Rehe durch Vergiftung

-Rehe durch mechanische Einflüsse

-Hormonell bedingt

Einige Beispiele sind:

-Futterrehe, durch Überschuss von Futtermitteln.

-Belastungsrehe, durch evtl. Verletzung oder OP einer Gliedmasse, Entlastung des kranken, Mehrbelastung des gesunden Hufes, meist ein Fuss, mechanisch.

-Kolik, im schlimmsten Fall treten hier Giftstoffe durch die Darmwand aus, und setzen sich im Körper des Pferdes ab.

-Cushing und EMS, Stoffwechselkrankheiten, hier Hormonell bedingt.

-Blutvergiftung.

-Geburtsrehe, hier kommt die Nachgeburt nicht richtig mit raus, das kann den Körper der Stute vergiften, kann innerhalb Stunden akut werden.

-Cortison.

An Hufrehe kann jedes Pferd erkranken. Meist sind nur die Vordergliedmassen betroffen, kann aber ohne weiteres auf alle 4 Füsse übergreifen.

Eine Früherkennung der Krankheit erhöht die Chance eines glimpflichen Ausganges. In der Initialphase (Anfangsstadium) sind aber meist keine klinischen Symptome erkennbar.

Diese treten ja nach Art der Rehe nach 12-70 Stunden, oder sogar erst nach Tagen auf.

Geht es dann in die akute Phase über (Pododermatitis aseptica diffusa acuta) ist der Fall meist klar.

Das Tier nimmt in dem Fall eine typische Stellung ein. Die Hinter- wie die Vordergliedmassen sind nach vorne gestellt um den schmerzenden Bereich im Huf zu entlasten. Aufgrund der Entzündung im Hufbereich, haben wir auch hier meisst eindeutige Symptome:

-Erhöte Temperatur im Hufbereich (Color)

-Verstärkte Pulsation

-Schmerz (Dolor)

-Gestörter Bewegungsablauf (Functio laesa)

-Kronrand kann eine rötliche Färbung haben (durch Haare schwer zu erkennen) und ist geschwollen, (Rubor,Tumor)

Die Schwere der akuten Phase wird in 4 Stufen eingeteilt, die Obel-Grade.

Sollten Anzeichen für eine Rehe auftreten, Schmied oder Vet. hinzuziehen!

Die Krankheit kann auch unbemerkt (manchmal kann man sich schon fragen, wie so was überhaupt möglich ist, siehe letzte Bildreiehe unten???) ein chronisches Stadium erreichen. Hier formt sich der Huf dann über Wochen/Monate zu dem sogenannten "Rehehuf/Umformungshuf" um,

spätestens dann sollte der Hufschmied... erkennen, dass irgendetwas nicht stimmt, und Massnahmen einleiten!

Was passiert hier?

Das Hufbein ist mit der Hornkapsel durch Lamellen auf beiden Seiten innig verbunden (verwurzelt). Kommt es jetzt zu einem Auslösenden Prozess, wird sich dieser zum Hufbereich vorarbeiten und es kommt zu Ischämie. Die Is-chemie (ausgesprochen), stellt man sich am besten so vor,

als Kind hat man des öfteren an Bächen Staudämme gebaut, das Wasser also umgeleitet oder sogar zurückgehalten, das Bachbett ist nach dem Wall also so gut wie gar nicht mit Wasser versorgt. Hält dieser Zustand an, bekommen die am nächst gelegenen Pflanzen unzureichend bzw. kein, oder giftiges Wasser, die Wurzeln werden absterben, und bieten keinen Halt mehr (Ischämie). Ähnlich ist es beim Pferd, nur geht es hier viel schneller, und wir haben es mit Blut zu tun, welches die Oberhaut (Epidermis) mit Nährstoffen versorgt.

Rotation

Die Hauptversorgung geht durch das Hufbein. Jetzt haben wir aus irgendeinem Grund mangelnde/falsche Versorgung. Das wird sich erst mal auf den unteren Bereich des
Hufbeins auswirken. Im schlimmsten Fall können sich die Lamellen in diesem Bereich gegenseitig nicht mehr halten, und das Hufbein Rotiert mehr oder weniger, je nach Fall.
Da das auch in etwa der Bereich ist, an dem die weisse Linie gebildet wird, eine sehr sensibele Gegend!
Beim bearbeiten des Hufes ist die WL gezerrt zu sehen, wenns schlimmer kommt zerissen, Hole Wand oder sonstiges.

Bei der Rotation kommt extremer Druck auf den Sohlenbereich der Hufbeinspitze, müssen höllische Schmerzen für das Tier sein! Die Tiefe Beugesehne, die einen Zug auf das Hufbein ausübt, begünstigt den Prozess der Rehe leider.

Wird die Krankheit, aus welchen Gründen auch immer nicht gesehen, und es geht ins Chronische Stadium über, wird sich der Huf auf Dauer umformen. Da das Hufbein jetzt einen steileren Winkel hat. Der obere Teil der Lamellen, möchte weiterwachsen wie gewohnt. Der untere nicht funktionierende Teil füllt sich mit Narbenhorn, oder bricht aus.
Es bildet sich ein Schnabel. An der Hornkapsel sind die typischen Reheringe, und meist eine Einschnürung am Übergang des Krankheitsabschnitts zu sehen. Die Trachten wachsen Krankheitsbedingt auch vermehrt.

Eine andere Art ist die Kapsuläre Rotation, hier muss sich der Winkel des Hufbeins nicht grossartig verstellen. Weist aber das gleiche Bild wie die Hufrehe auf, kann auch bis hin zum Sohlendurchbruch führen.

Senkung

Bei der Senkung des Hufbeins, hat der grösste Teil der Lamellen keine feste Verbindung mehr. Das Hufbein sinkt dadurch nach unten ab, und liegt/drückt auf den Sohlenkörper.
In diesem Fall kann man am Kronrand eine Recht deutliche Einbuchtung fühlen. die Sohle wird sich flach entwickeln, Wölbung nimmt ab (Flach- oder Vollhuf).

Immer die Augen offen halten und Warnsignale von Seiten des Pferdes ernst nehmen. Hier noch einige Anzeichen einer Hufrehe, wies aber halt so ist, kann’s auch ganz anders kommen.

- Pferd stellt die Gliedmassen gegen vorne, um Belastung auf den Sohlenkörper zu verringern, oder liegt.

- Wenn akut, will Pferd nicht laufen, sonst nach Fall meistens Trachtenfussung.

- Bluteinschlüsse in der Weissen Linie.

- Durch den Druck der Zehenspitze auf die Sohle, sind in dem Bereich oft Steingallenählniche Abdrücke zu sehen.

- Die Hufe sind auf Temperatur, oder können die oben besprochenen Entzündungsymptome aufweisen, kann aber auch

auf ein anderes Problem hindeuten. Schau genau!

- Divergierende Wachstumsringe (Reheringe), diese Verlaufen S förmig vom vorderen Teil der Hufkapsel gegen Trachten.

- Am vorderen Bereich der Zehe kann eine Einschnürung zu sehen sein.

- Vermehrte bis starke Pulsation.

- Huf beginnt sich negativ zu verändern.

- Auf die Probe mit der Hufuntersuchungszange wird das Pferd positiv reagieren. Auch das Abklopfen des Hufs wird eine schmerzhafte Reaktion auslösen.

- Die Weisse Linie ist beim Ausschneiden gezerrt/verbreitert, zerrissen zu sehen.

- und noch einige mehr, sollte man die oben genannten aber übersehen haben, nutzen die erst mal auch nichts.

Sollte es bei einem Pferd zu wiederholten Reheschüben kommen, keiner kann aber genau sagen welche Ursache sie haben, kann ein Test hilfreich sein.

Auch wenn es nicht alle Tierärzte wahrhaben wollen, EMS und Cushing sind in den letzten 10 Jahren auf dem Vormarsch. Der Test muss sorgfältig durchgeführt werden, da sich das Ergebnis leicht verfälscht! Normaler ACTH-Wert bei einem gesunden Pferd (Hormon das im Gehirn gebildet wird) ca. 50 pg/ml.! Ist aber ein anderes Thema.

Beschlagseitig sollte das unternommen werden, was dem Tier hilft!!! Barhuf, Alu, Kunststoff, Eisen, Holz, Kleben, Zehenoffen, Sohlen, Polster................!

Sollten die Diagnosen für das Pferd nicht so schlecht sein, man hat aber bedenken die Hufe in den Griff zu bekommen, Hilfe suchen, und dem Tier gegenüber so fair sein,

und Dies dem Besitzer mitteilen. Lieber früher als zu spät!

Weiterbildungen für Hufschmiede und Vets. in diese Richtung bieten sich an!

Hufrehe chronisch

Vorne links.

Hufrehe chronisch

Vorne links.

Hufrehe chronisch

Vorne rechts alle 3 Bilder. Kein schöner Anblick. Chronische Hufrehe, hier war es zum Glück auch nur eine kapsuläre Rotation. Bei der Aufnahme des Bildes, wusste ich aber nicht, dass es es diese Art der Hufrehe überhaupt gibt. Ungefähr ein Jahr später, ist ganz gut gegangen. ich denke der Verlauf der Knochen, sollte zu diesem Zeitpunkt in etwa hinkommen. Gleicher Kollege, nach ca. 3 Jahren. Beschlag braucht er zum Glück keinen mehr! Todgesagte leben länger...

Weisse Linie gezerrt

Vorne rechts. Dieser Huf gehört zu der Bildreihe überhalb. Die WL ist hier schon eher zerrissen als nur gezerrt.